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Wie Lange Kann Man Fussball Spielen

Dieses Wochenende dreht der Spätsommer noch einmal auf: Ideale Gelegenheit für Sportbegeisterte, das Traumwetter für spannende Partien auf dem Fußballplatz zu nutzen.

Aber Vorsicht: Fußball ist beileibe nicht nur Spaß und Spiel, sondern geht auch knallhart auf den Körper – das gilt für Hobbykicker wie für Profis.

Aktuell muss Bundestrainer Löw gleich mehrere Ausfälle bei der Nationalmannschaft hinnehmen: Bastian Schweinsteiger musste wegen seiner Verletzung die Teilnahme an den WM-Quali-Spielen gegen Österreich (6. September) und auf den Färöer Inseln (10. September) absagen. Auch die verletzten Spieler Mario Götze, Lukas Podolski und Ilkay Gündogan fehlen.

Wie gefährlich ist dieser Sport für die Gesundheit, was kann passieren, wie werden Verletzungen therapiert? Der große Medizin-Fakten-Check:

Für BILD geben die Sportorthopädin Dr. med. Margrit Lock und der Sportmediziner Prof. Dr. med. Lars Brechtel Auskunft über die wichtigsten Fragen.

Beide Experten sind für SMS Sportmedizin Berlin tätig, ein Kompetenzzentrum für Sportmedizin, in dem Ärzte, Sportwissenschaftler und Therapeuten arbeiten. SMS Sportmedizin Berlin betreut Mannschaften und Sportler aller Leistungsklassen, vom Spitzen- bis zum Freizeitsport, und ist empfohlener Untersucher der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Welche sind die häufigsten Verletzungen, die sich Fußballer während eines Spiels zuziehen?

Die häufigsten Verletzungen betreffen natürlich die Beine. Dabei reicht das Spektrum von einfachen Hautverletzungen und Hämatomen (blauen Flecken) über Prellungen und Muskelverletzungen wie Zerrungen und Muskelfaserrissen bis zu ernsthaften Bandverletzungen. Hier vor allem der Kreuz- und Seitenbänder des Knies und den Bändern des Sprunggelenks. Eher selten kommt es zu Knochenbrüchen.

Tut das alles sehr weh?

Verletzung bzw. ein Aufprall können äußerst schmerzhaft sein, da z. B. im Bereich des Schienbeins keinerlei Weichteile (Fettgewebe oder Muskelmasse) den Knochen schützen. Zu den schmerzhaftesten Verletzungen zählen auch Bänderrisse. Diese können vor allem im Bereich des Sprunggelenks auftreten, wenn man sich im Sturz den Knöchel verdreht und dann vielleicht noch auf den verdrehten Fuß stürzt.

Kann ein Knochen überhaupt schmerzen? Haben Fußballer stärkere Knochen?

Der Knochen selbst tut weniger weh. Es ist vielmehr die Knochenhaut („Periost"), die ihn umhüllt. Diese besitzt eine große Menge an Nerven und wird dadurch sehr schmerzempfindlich für Stöße. Fußballer sowie alle Sportler, die eine Menge Kräfte mit den Beinen aufnehmen (wie Handballer, Volleyballer, Basketballer), haben tatsächlich eine höhere Knochendichte und mehr Knochenmasse als der durchschnittliche Mensch.

Wie beugt man diesen Verletzungen vor?

Zur Vorbeugung gehört eine gut ausgebildete Muskulatur, die die Gelenke bestmöglich stabilisieren und flexibel auf die unterschiedlichen Anforderungen reagieren kann, wie auch eine gute Technik, regelmäßige Physiotherapie, medizinische Versorgung und Propriozeptorentraining (Übungen für Gleichgewichtssinn und Koordination), um sowohl Ball als auch Gegner gut unter Kontrolle zu halten.

Außerdem sind Profis mit gutem Material ausgestattet (beispielsweise werden ihre Fußballschuhe ausgetauscht, sobald es erste Abnutzungserscheinungen gibt) und werden medizinisch sowie biomechanisch intensiv untersucht und überwacht, sodass Verletzungsauslöser frühzeitig erkannt werden können.

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Biomechanische Untersuchungen, was ist das?

Unter einer biomechanischen Untersuchung versteht man eine Analyse des Bewegungsapparats hinsichtlich Statik und Bewegung. Man versucht, durch klinische Tests und computergestützte Messtechnik herauszufinden, an welcher Stelle im Bewegungsablauf welche Kräfte auftreten, und ob diese ein Gelenk oder einen Muskel womöglich überbeanspruchen.

Beispielsweise kann man durch eine High-Speed-Aufnahme des Kniegelenks beim Laufen herausfinden, wie das Kniegelenk die Kräfte aufnimmt, und wie der Außen- oder Innenmeniskus belastet werden. Auch bei der Eignung des Schuhwerks kann man herausfinden, ob der Schuh z. B. zu stark einknickt und somit die Schienbeinmuskulatur oder die Achillessehne erhöhtem Stress aussetzt.

Wie lange dauert die Heilung gängiger Verletzungen?

Hautverletzungen: etwa eine Woche. Leichte Prellungen: wenige Tage. Schwere Prellungen und Zerrungen: ein bis zwei Wochen. Muskelfaserrisse: rund sechs Wochen. Knochenbrüche: sechs Wochen.

Bandverletzungen ohne OP: sechs Wochen. Bandverletzungen mit OP und entsprechender Reha: acht bis 12 Wochen.

Sind Kopfbälle ein besonderes Risiko, können sie sogar Hirnschäden verursachen?

Wettkampf- und Trainingsausfälle bedingt durch akute Verletzungen im Kopfbereich machen im Fußball zwar einen eher geringen Anteil aus. Chronische Folgen und Langzeitschäden für das Hirn werden allerdings von Wissenschaftlern durchaus diskutiert. Einige Untersuchungen sprechen dafür, dass viele Balleinwirkungen auf Kopf und Hirn im Verlauf einer langen Fußballerkarriere zu einer geringen Störung der Leistungen führen könnten.

Untersuchungen einiger Wissenschaftler deuten allerdings darauf hin, dass auch scheinbar harmlose Kopfbälle dem Gehirn schaden können. So hat Hirnforscherin Inga Koerte (Ludwig-Maximilian-Universität und Harvard Medical School) zwölf Profispieler aus der ersten Bundesliga untersucht und Veränderungen in einigen Bereichen des Gehirns festgestellt, die offenbar auf Kopfbälle zurückzuführen sind.

Auswirkungen haben dabei auch Ballgeschwindigkeit und -gewicht. Auch die Ausführungstechnik hat Einfluss: Bei geringer Ballgeschwindigkeit ist die „saubere" Annahme mit der Stirn und durch Anspannung der Nackenmuskulatur wichtig, was Rotationsbewegungen bzw. die Beschleunigung des Kopfes minimiert und somit Hirnschädigungen vorbeugt.

Neben den Kopfbällen führen vor allem Schlageinwirkungen vom Gegner auf Kopf, Gesicht und Nacken zu Verletzungen.

Einige Wissenschaftler wie der Neuropsychologe Gerhard Müller raten allen Kindern unter zwölf Jahren, auf Kopfbälle möglichst ganz zu verzichten. Denn das nicht vollständig entwickelte Gehirn sei noch anfälliger für kognitive Störungen. Gedächtnisstörungen könnten durchaus auf die leichten, aber eben häufigen Erschütterungen bei Kopfbällen zurückzuführen sein.

Ein Fußball kann bis zu 120 km/h schnell sein – was passiert, wenn man getroffen wird?

Insbesondere bei einem unerwarteten Stoß gegen Kopf oder Kinn kann es zu Verletzungen im Sinne eines Schädel-Hirn-Traumas kommen (die leichteste Form ist die Gehirnerschütterung).

Je nach Schweregrad kann es zu Symptomen wie Bewusstseins- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit und Erbrechen kommen.

Bei Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma sollten die Spieler für 48 Stunden unter ärztliche Aufsicht gestellt werden, da einige Symptome erst mit zeitlicher Verzögerung auftreten. In der Regel können die Spieler Schlimmeres verhindern, indem sie ihre Nackenmuskulatur anspannen, sobald sie einen Ball auf sich zufliegen sehen.

Die Dauer der Heilung hängt von dem Schweregrad der Verletzung ab und kann von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Monaten dauern.

Ein bekanntes Extrembeispiel für Kopfverletzungen im Fußball ist der tschechische Torwart Petr Čech: 2006 stieß er mit einem Gegenspieler zusammen und erlitt einen Schädel-Basisbruch. Seitdem spielt er mit einem Schutzhelm.

Wie gefährdet sind die Genitalien?

Verletzungen des Genitalbereichs haben in der Regel schwerwiegendere Folgen bei einem Zusammenprall als bei einem Balltreffer (ähnlich wie beim Kopfball).

Im Allgemeinen heilen Penisverletzungen aber schnell, da das Gewebe gut durchblutet ist. Empfindungs- und Erektionsstörungen können bei schweren Verletzungen die Folge von der Beschädigung wichtiger Nerven sein.

Gibt es neue Therapien bei Muskelzerrungen, damit sie schneller verheilen?

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Es werden alle Behandlungsmethoden der Physiotherapie und physikalischen Therapien eingesetzt , also Lymphdrainage, Elektrotherapie, Ultraschall, Kälte/Wärme, Massage, Krankengymnastik, daneben die inzwischen auch sehr bekannten Kinesiotapes, also elastische Tape-Verbände zum schnelleren Abtransport von Stoffwechsel-Endprodukten (z. B. Gewebewasser).

Daneben gibt es auch Medikamente mit Enzymen, die den Abtransport von Schwellungen beschleunigen und die Heilung des verletzten Gewebes unterstützen. Manche Sportärzte spritzen Enzympräparate direkt in verletztes Muskelgewebe. Wundermittel für eine Blitzheilung gibt es jedoch nicht.

Zahlt die Krankenkasse bei Sportunfällen?

Die Kosten für die Behandlung von Sportverletzungen werden wie bei anderen Unfällen in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Michael Schmitz, Sprecher der Techniker Krankenkasse zu BILD: „Verletzt sich ein Versicherter beim Freizeitsport, übernimmt die Krankenkasse natürlich die Behandlungskosten. Die Versicherten können sich darauf verlassen, dass sie die medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigen. Ist die Ursache für den Unfall durch Dritte zu verantworten, zum Beispiel weil eine Sportanlage klare Mängel aufweist, prüfen wir als Krankenkasse mögliche Regressansprüche. Die Patienten müssen sich jedoch keine Sorgen machen: Auf sie kommen keine Rückforderungen zu."

Extremmassagen bis zum Bluterguss, damit die verletzte Stelle besonders gut durchblutet wird – ist das ein probates Mittel?

Dies sind unsinnige Maßnahmen, da damit Verletzungen verursacht werden. Im Grunde genommen ist so etwas eher gefährlich.

Profis sind nach einem Bänderriss oft schon sechs Wochen später wieder auf dem Spielfeld – wie geht das so schnell?

Das gelingt durch den maximalen Einsatz von medizinischen Hilfsmitteln, die in der Regel einem Hobbysportler in diesem Ausmaß nicht zur Verfügung stehen. So bekommen verletzte Profis jeden Tag mehrere Stunden medizinische Behandlungen, während der Laiensportler vielleicht zweimal pro Woche 30 Minuten behandelt wird.

Wann drohen Langzeitschäden?

Fußballer „erkaufen" sich die extrem schnelle Rückkehr nach Verletzungen nicht selten mit Langzeitschäden vor allem im Bereich der Knie- und Sprunggelenke. Wird ein Spieler wieder aufs Feld geschickt, bevor der Heilungsprozess abgeschlossen ist, (z.B. wenn sein Knie nach einer Meniskusoperation noch Reizerscheinungen und Schwellungen zeigt), kann er zwar schon wieder spielen, riskiert jedoch durch die noch vorhandene Entzündung und den veränderten Stoffwechsel einen frühen Knorpelverschleiß.

Daneben kann es durch die immer wiederkehrenden Stoßbelastungen in Training und Wettkampf zu Mikroverletzungen im Bereich des Knorpels kommen, die dann gehäuft zu Arthrosen führen.

Heute rennen Profi-Fußballer rund zehn Kilometer in einem Spiel, wie halten die das durch?

Fußballer trainieren schon von Kindesbeinen an viel härter, wodurch sie körperlich in einem deutlich besseren Zustand sind. Daneben nutzen sie die wettkampffreie Zeit, um andere Sportarten und Bewegungsformen einzuüben.

Biomechaniker schauen sich zusammen mit Ärzten immer wieder Bewegungsabläufe an und versuchen, störende Faktoren wie schwache Muskulatur oder eingeschränkte Beweglichkeit eines Gelenks zu beseitigen, Fußballer mit den richtigen Schuhen zu versorgen oder muskuläre Ungleichheiten schnell zu erkennen.

Außerdem werden sie intensiv und engmaschig nicht nur durch Trainer betreut, sondern es gehört ein großer Stab an Ärzten, Biomechanikern und Physiotherapeuten zum Team, der jederzeit gewährleistet, dass Störungen schnell erkannt oder Verletzungen von Beginn an behandelt werden.

Sollte man als Sportler Nahrungsergänzungsmittel nehmen?

Auch wenn manche Profisportler in der Tat Nahrungsergänzungsmittel nehmen, reicht eine gesunde und ausgewogene Ernährung kombiniert mit Regenerationszeiten in der Regel aus – für Profis und für Hobbysportler.

Ist Fußball eher ein gesunder oder ungesunder Sport?

Fußball ist – wie viele andere Kontakt-Mannschaftssportarten auch – nicht primär schädlich. Sportler der sogenannten „High Impact"-Sportarten besitzen bei regelmäßiger Ausübung eine höheren Knochenmasse und Knochendichte als Nicht-Sportler, was im höheren Alter ein Vorteil sein kann wie beim krankhaften Knochenschwund (Osteoporose). Andererseits sind Fußballer einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt.

Hier sind insbesondere Verletzungen der unteren Extremitäten zu nennen (Kreuzbänder, Meniski, Bänder im Sprung- und Kniegelenk). Die „ungesunde" Grenze wird immer dann überschritten, wenn die Balance zwischen Trainingsbelastung, den körperlichen Voraussetzungen und der Regeneration nicht stimmt.

Wie Lange Kann Man Fussball Spielen

Source: https://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/sportverletzungen/fussball-sportverletzungen-so-gefaehrlich-kann-fussball-fuer-die-gesundheit-sein-30638656.bild.html

Posted by: austinaress1983.blogspot.com

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